Konzertbericht

Überschäumende Spielfreude

Die Hardt Stompers bescherten dem Publikum in der Schlosskapelle einen vergnüglichen Abend. Wunderbare musikalische Reise nach New Orleans.

Hardt Stompers, Jazz-Club Köngen, 23.09.2022
Die Hardt Stompers in gewohnt fröhlicher Spiellaune in der Schlosskapelle Foto: Albrecht Nissler

Mit der Verpflichtung der Hardt Stompers landete der Jazz-Club Schloss Köngen wieder einmal einen Volltreffer. Nur allzu schade, dass dieses Konzert erst im dritten Anlauf durch coronabedingte Verschiebungen stattfinden konnte. Seit über 40 Jahren genießt diese Band einen hervorragenden Ruf und gilt als eine der führenden Oldtime-Jazz-Formationen im süddeutschen Raum. New Orleans Jazz und Dixieland vom Feinsten lassen die sechs Musiker als musikalisches Markenzeichen aufleuchten. „Jazz-Clubs, die sich dem „Traditional Jazz“ verschrieben haben, werden immer seltener. Deshalb freuen wir uns närrisch über unsere Einladung nach Köngen“, ließ Bandleader Günter Friedhelm das Publikum vor ausverkauftem Hause wissen.

Spritzig der Rhythmus, präzise die Übergänge,
knackig die Töne

Mit dem „Stevedore Stomp“ eröffneten die Musiker ihre wunderbare musikalische Reise nach New Orleans. Spritzig der Rhythmus, präzise die Übergänge, mit emotionalem Klarinettensound, knackigen Tönen am Kornett, kräftigen Tonfolgen an der Posaune, klaren Basstönen am Sousafon, so präsentierten sich die Akteure dazu noch in geschliffenem Tutti-Spiel mit unbeschwerter Fröhlichkeit. Sie rissen das Publikum förmlich mit. Ihrer überschäumenden Spielfreude konnte sich niemand entziehen. Ein äußerst gelungener Einstieg in den Konzertabend.

In abwechslungsreicher Programmfolge erklangen Titel von Louis Armstrong, Duke Ellington oder Kid Ory. Am Kornett übernahm Günter Friedhelm vielfach die Melodieführung und glänzte mit sicherer Intonation und klarer Tongebung, während seine anpassungsfähige Stimme manch einem Titel einen besonderen Charakter verlieh. In „My Melancholy Baby“ erntete er viel Beifall, indem er den Schellackplatten-Sound vergangener Zeiten mithilfe einer Wäscheklammer auf seiner Nase äußerst authentisch nachahmte.

Für besondere Aufheiterung sorgten auch Stücke mit deutschen Texten wie „Mein Hund beißt jede hübsche Frau ins Bein“ oder „Geld ist nicht wichtig“. Das letztere umrahmte Peter Maisenbacher mit sonorer Stimme. Der wohlbekannte „Basin Street Blues“ wurde kurzerhand in „Besen Street Blues“ umgewandelt, was mit der Einführung der schwäbischen Kehrwoche in New Orleans von Günter Friedhelm begründet wurde, der ansonsten launig und anekdotenreich, gelegentlich mit ironischem Unterton, sehr zum Gefallen des Publikums das Konzert moderierte.

Manfred Schütt an der Klarinette und Sopransaxofon gilt als die Reinkarnation des Altmeisters Sidney Bechet, so wird zumindest gemunkelt. Wenn er zum Instrument greift, steht die Musik in völligem Einklang mit seiner Mimik, Gestik und Körperhaltung. Er taucht in seine Darbietungen vollkommen ein und wechselt chamäleonartig die Klangfarbe seiner Klarinette. Im Titel „Dans les rues D’Antibes“ lief er am Sopransaxofon zur Höchstform auf und brillierte mit blitzsauberen und atemberaubenden Skalen, die mit tiefgründigen, beseelten Tönen kontrastierten. Ein Vollblutmusiker mit einer großartigen Bühnenpräsenz.

An der Posaune komplettierte Wolfgang Schenk die Bläser in der „Frontline“. Er überzeugte nicht nur in der ihm angedachten Rolle im kollektiven Zusammenspiel, sondern auch in diversen Soli über kurze Chorusse hinweg. Mit vollmundigem und voluminösen Ton, gelegentlich gedämpft, würzte er die dargebotenen Titel souverän. Es war eine Wonne im „Besen Street Blues“ seine Stimme und den dazugehörigen deutschen Text zu hören.

Peter Maisenbacher an der Gitarre und am Banjo legte eine solide rhythmische Grundlage durch sauber und präzise geschlagene Akkorde. In „Mama Inez“ zeigte er in einem sehr versierten Solo seine ganze Musikalität in schönen Einzeltönen und Teilakkorden.

Karl-Otto Schmidt wechselte je nach Art des Titels vom monströsen Sousafon zum Kontrabass. Beide Instrumente bediente er mit angestammter Routine und großem Können. Sehr gelungen sein Solo am Sousafon im „Royal Garden Blues“. Mit sichtlicher Spiellaune verband Frank Richling am Schlagzeug das gesamte Gebilde professionell miteinander, hielt die Fäden unauffällig in der Hand und indizierte unmissverständlich das Geschehen. In „He Is A Son Of The South“ ließ er in einem grandiosen Solo seinen Gefühlen freien Lauf.

Nach einem äußerst vergnüglichen Abend wurde das Publikum noch mit einem Tombolagewinn belohnt.

Diesen Konzertbericht präsentieren wir Ihnen hier mit freundlicher Genehmigung von

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